„Hauptsache, es wird Tischtennis gespielt“

Er spielt in der 2. Mannschaft des TTV Geismar, betreibt ein eigens Tischtennisportal samt Online-Shop – und hat neben reichlich Erfahrung und Wissen auch die eine oder andere Idee, wie man die Beliebtheit von Tischtennis wieder steigern kann. Im Interview mit VereinsKULT verrät Markus Thies aus Göttingen, was ihn an dem Spiel mit dem kleinen Plastikball (vormals Zelluloid-Ball) fasziniert.

Hallo Markus, wann und wie bist du zum Tischtennis gekommen?

Eigentlich relativ spät, denn in meiner Schülerzeit habe ich erst Handball gespielt. Ich war elf oder zwölf, als ich von einem Freund „angefixt“ wurde. Der hatte nämlich bei sich im Hinterhof eine Platte, auf der wir dann häufiger Tischtennis gespielt haben. Wir wollten uns natürlich gegenseitig übertreffen, was unweigerlich zu einem Verein führte, denn ich wollte jetzt den Sport richtig lernen.

Meine erste Station war der TSV Wachenhausen, später bin ich mit mehreren Freunden zu einem Nachbarverein gewechselt. Wir wollten zusammen spielen und hatten das Glück, dass sich der Verein kurz vorher gegründet hatte und so für uns Platz hatte. Das war eine sehr schöne Zeit. Wir waren ein eingeschworener Haufen, hatten wenige andere Verpflichtungen – und konnten viel Zeit mit Tischtennis und uns verbringen. So waren wir z.B. auf einem Turnier in Spanien und haben mehrere Freundschaftsspiele gegen Team aus Holland und Frankreich organisiert. Das war für uns überhaupt die beste Mischung: Tischtennis und Feiern.

Thies3Danach ging es zum TTV Geismar, wo ich seit bald 25 Jahren spiele. In dieser Zeit habe ich neben dem Spielen auch im Vorstand des Vereins, erst als Schriftführer und dann als Jugendwart über zwölf Jahre mitgearbeitet. Später bin ich auch noch zur Mitarbeit im Tischtenniskreisverband gekommen.

Und welcher Typ Spieler bist du?

Mein Spiel war immer schon ein variables Allroundspiel mit Tendenz zur Offensive. Als Linkshänder habe ich natürlich nie einen richtigen Topspin gelernt, sondern spiele tolle Bananen-Sidespins. Und seit dieser Saison versuche ich auf Abwehr umzuschulen. Das ist ein spannendes Experiment.

Was ist das Faszinierende am Tischtennissport?

Über diese Frage habe ich mir mit Freunden beim Bier schon manchen Abend die Köpfe heiß geredet! Sicherlich ist es die Vielschichtigkeit und manchmal auch die Widersprüchlichkeit: Tischtennis kann absolut athletisch sein – und dann kommt jemand, der sich kein Stück bewegt und dich mit seinem Handgelenk auseinander nimmt.

Und dann ist da natürlich der Ball. Was du alles damit machen kannst. Rotation in alle Richtungen. Dabei sind Faszination und Verzweiflung oft dicht beieinander.

Was wird bei Tischtennis besonders geschult?

Die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Man hat einfach nicht viel Zeit um zu reagieren.

Spielst du lieber Einzel oder Doppel?

Zum „Auspowern“ lieber Einzel. Aber ich spiele sehr gerne und tatsächlich auch erfolgreicher Doppel. Das Spannende dabei: Man spielt nicht nur gegen die Gegner, sondern mit einem Partner, dessen Stärken und Schwächen man berücksichtigen muss.

Deine liebsten Tischtennisspieler?

Natürlich zuallererst Jan-Ove Waldner, die Legende! Der kann Dinge, von denen ich nur träumen kann. Man hatte bei ihm immer das Gefühlt, dass er schon wusste, was sein Gegner als nächstes spielt, bevor dieser es überhaupt wusste. Von den aktuellen Spielern mag ich besonders die Abwehrspieler z.B. Gionis Panagiotis.

Du hast ein eigenes Tischtennis-Portal gestartet UND dabei neben dem kommerziellen Aspekt einen besonderen Fokus auf Infos und News gelegt.

Ich liebe diesen Sport. Aber Tischtennis hatte es schon immer schwer, die Wertschätzung zu bekommen, die es aus meiner Sicht verdient hätte. Das ist für mich ein Thema. Gerade wenn es darum geht, neue Mitglieder für unseren Sport zu begeistern.

Außerdem tut sich der Tischtennissport insgesamt wenig Gefallen, sich nicht kritisch mit sich selbst auseinander zu setzen. Wo wird der Tischtennissport in 10 oder 20 Jahren stehen? Und was könnten unsere Ideen sein, auf die rückläufigen Mitgliederzahlen zu reagieren?

Die Entwicklung des „offiziellen“ Tischtennis – du bist nicht mit allem einverstanden?

Nehmen wir z.B. das aktuelle „Tischtennis“ Magazin. Du findest keinen Artikel, der die offizielle Sichtweise hinterfragt. Ich weiß nicht, ob die Tischtennisgemeinde es sich leisten kann, nur alles aus der Verbandssicht zu betrachten.

Bei einigen Dingen bin ich anderer Meinung. Und man sollte versuchen etwas zu verändern, wenn man es noch in der Hand hat. Ein Thema ist die Verringerung der Mannschaftsstärke – oder auch die Frage, ob Frauen nicht bei den Männern mitspielen dürfen. Zu dem Thema hat übrigens jeder Landesverband eine eigene Auffassung. Das kann doch nicht sein.

Ich habe natürlich eine etwas andere Sichtweise als die Verbände. Für den Verband zählen letztendlich die zahlenden Mitglieder. Als Händler, der ich auch bin, und als Tischtennisfan frage ich mich, wie können wir möglichst viele Menschen vom Tischtennis begeistern? Egal, ob im Verein oder im Park an der Betonplatte.

Stichwort Einsteigerausrüstung: Was empfiehlst du? Und was kostet es?

Einen Einsteigerschläger gibt es für 50 bis 80 Euro. Da sollte man sich auf den Händler seines Vertrauens verlassen. Wenn es geht das, Holz in die Hand nehmen. Und bei der Auswahl dem Trainer oder Händler vertrauen.

Welche Fehler kann man beim Kauf eines Tischtennisschlägers machen?

Die Fehler entstehen oft bei der falschen Einschätzung. Wenn z.B. Eltern ihren Kindern einen 10 Euro-Tischtennisschläger kaufen. Ist das für den Rundlauf in der Pause, ist das ok. Ist der Schläger, um Tischtennis zu lernen, funktioniert das nicht.

Die Sportart, die man mit solch einer Kelle spielt, hat mit Tischtennis als Sport nichts zu tun. Das verstehen manche Eltern nicht.

Aber auch die Selbsteinschätzung mancher Spieler – wie soll ich es sagen – korreliert nicht mit der Fremdeinschätzung. Wer 10mal schupft, um dann einmal einen Offensivschlag zu wagen, ist kein Offensivspieler. Und selbst der Offensivspieler in den Klassen unterhalb der Landesliga ist oft mit dem Allround-Material besser beraten.

Und warum sollte man Tischtennis am besten im Verein spielen?

Sollte man das? Für mich persönlich ist es die richtige Wahl!

Aber es gibt auch sehr interessante Entwicklungen außerhalb der Vereine. TTF Liebherr Ochsenhausen hat mit Cornilleau dieses Jahr ein Outdoor Turnier in Ulm veranstaltet, das war ein riesen Erfolg.

In Amerika ist Tischtennis unheimlich populär. Ich hege die leise Hoffnung, dass von der Bewegung auch etwas zu uns herüberschwappt. Dort wird Tischtennis in Clubs und draußen gespielt – und das z. T. auf sehr anständigem Niveau. Wir müssen lernen, nicht mehr die Nase über Ping Pong zu rümpfen, sondern es als Chance zu sehen. Und wir dürfen nicht den Fehler machen, uns solche Bewegungen in unsere Vereinsstrukturen einverleiben zu wollen. Das wird nicht funktionieren.

Hauptsache es wird Tischtennis gespielt.

Lieber Markus, vielen Dank für das Interview!

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