Der innere Zirkel eines Vereins

Von Bernhard Krebs

Wie in jeder Gemeinschaft mit mehr als drei Mitgliedern treffen wir in einem Verein auf ein Phänomen, das für viele Fluch oder Segen ist. Je nach Perspektive, ob man dazu gehört oder auch nicht. Sprechen wir heute also über den sogenannten „Inner Circle“ – über den Kreis von Vereinsmitgliedern, der das Sagen hat UND zu dem man so gerne dazu gehören möchte.

Eine kleine Geschichte dazu: Eine Bekannte von mir, bereits in diversen Vereinen ein angesehenes bzw. beliebtes Mitglied, fand Gefallen am närrischen Treiben und meldete sich deshalb bei der örtlichen Karnevalsgesellschaft an. Da sie in der Jugend eine durchaus erfolgreiche Ballerina war, eilte ihr der Ruf voraus, schon bald der aufgehende Stern am Himmel der Gardemädchen zu sein.

Und dann das: Obwohl sie sich mit dem 1. Vorsitzenden sehr gut verstand, beim ersten Probetraining mit einem Spagat glänzte und zum zweiten Vereinsabend selbstgebackene Plätzchen mitbrachte, stand meine Bekannte auch in der zweiten Karnevalssaison nur in der zweiten Reihe.

Abgesehen von der Missachtung ihres tänzerischen Talents machte es ihr besonders zu schaffen, dass sie offensichtlich von der eingeschworenen Clique der Gardemädchen ausgegrenzt wurde. Sicher, man war höflich zu ihr, und ja, im Training wurde sie wie alle anderen gelobt und kritisiert, ABER: Immer, wenn gekichert wurde, war sie nicht dabei.

Mysterium „Inner Circle“, wie kommt man hinein. Ich habe mal bei mehreren Freunden nachgefragt, folgende vier Tipps haben alle genannt:

Tipp 1: Beobachte & warte!

Um sich in einem Vereinsgefüge sicher zu bewegen, muss man es kennen. Wo ist das sogenannte Alpha-Männchen, wo das Alpha-Weibchen, um die sich der „Inner Circle“ schart? Wo sind die Bäume, die markiert wurden? Und wo die Tröge, die nur wenigen vorbehalten sind?

Zugegeben, das Beispiel aus dem Tierreich gilt nur im übertragenen Sinne. Aber es gilt. Und als neues Mitglied im Verein tut man gut daran, zu beobachten und sich Zeit für die eigene Positionierung zu lassen. Denn schnell lehnt man, ohne es zu wissen, an einem Baum, der bereits markiert worden ist.

Tipp 2: Sei vorsichtig!

Jeder Verein hat interne Abwehrmechanismen. Diese werden blitzartig aktiviert, sobald Gefahr von außen droht. Und Gefahr für das bewährte interne Gefüge stellen nicht nur das Finanzamt oder im Sport der Gegner dar, sondern auch der „hochgelobte Star“, der dem Verein beitritt und an bestehende Hierarchien kratzt.

Ja, wo kommen wir da denn hin, wenn das so einfach wäre?

Deshalb der gute Rat an Vereinsneulinge: Verhindert, dass ihr mit Vorschusslorbeeren eingeführt werdet – und seid bescheiden. Dann werden auch die Alpha-Vereinsmitglieder nicht ohne Not auf die Barrikaden gehen.

Tipp 3. Mache dich unersetzbar!

Wer Tipp 1 befolgt, weiß früher oder später auch, was ein Verein unbedingt benötigt: Ob es der Schriftführer, Mannschaftsführer oder der Kassier ist, ob die Schneiderin toller Karnevalskostüme oder die Marketing-Spezialistin – man muss die Lücke im Vereinsbedarf finden UND in jedem Fall vermeiden, hier als Konkurrent eines „Inner Circle“-Mitglieds aufzutrumpfen. Letzteres … siehe Tipp 2.

Ach ja: Sich unersetzbar zu machen, verschafft zwar in der Regel den Eintritt in den „Inner Circle“. Aber auch nicht mehr. Alpha-Männchen oder -Weibchen ist man damit noch lange nicht.

Tipp 4: Sei nicht interessiert!

 Das erfordert natürlich ein großes Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen. Das Prinzip dahinter ist in der Praxis aber häufig erfolgreich, ist es doch nichts anderes als der „Inner Circle“ mit umgekehrten Vorzeichen: Was nicht jeder bekommt (hier die Aufmerksamkeit des „Neulings“), will man besonders gerne haben.

Blöde Geschichte, gewiss, aber dennoch wahr.

Zum Schluss noch eine tröstende Anmerkung: Auch unter Einhaltung aller Regeln ist der Zutritt zum „Inner Circle“ nicht 100prozentig planbar. Das liegt an Sympathie bzw. grundsätzlicher Antipathie oder einfach allein an der Tatsache, dass ein „Inner Circle“ rein praktisch auch einen äußeren Kreis benötigt. Wenn es keine Menschen mehr gibt, die nicht dabei sind, dann gibt es auch keine mehr, die unbedingt dazu gehören wollen.

Klingt etwas verdreht und schwierig, ist aber so. Den Außenstehenden bleiben dann nur ein gelassenes „That´s Live“ oder „Shit happens“ – und ein Vereinswechsel.

 

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