Vereinsfunktionär? Es gibt kein Entkommen!

Bei einer privaten Feier wurde kürzlich die Frage aufgeworfen, warum der Gastgeber trotz langjähriger Musikerkarriere nicht in der örtlichen Musikkapelle spiele? Und warum sein Freund nicht dem Volleyballverein wieder beitrete, obwohl er doch früher mal ein erfolgreicher Jugendspieler gewesen war? Überraschenderweise wurden als Antworten weder Zeit, Geld oder mangelnde Lust angeführt, sondern einzig: „Wenn ich zum Verein gehe, habe ich sofort einen Posten. Und das will ich nicht.“ Blanker Unfug, dachte ich bei mir, schwieg aber.

Vergangene Woche auf der Tribüne eines Fußballspiels jammerte ein Bekannter ganz hektisch, dass er nach dem Schlusspfiff sofort weiter müsse, weil er als Organisationsleiter  des Tierschutzvereins noch einen Flohmarkt vorbereiten müsse. Ins selbe Horn stieß die Dame, die neben ihm stand – sie müsse als Schriftführerin des Kulturvereins noch eine Pressemeldung  schreiben. Wieder ein paar Meter weiter diskutierten derweil 1. Vorsitzender und Kassier des Kegelclubs die interne Nachwuchsmisere.

Langer Rede, kurzer Sinn: Im Umkreis von 20 Metern standen auf der Tribüne nur Leute um mich herum, die Vorstandsmitglied, Trainer oder Mannschaftsführer/Gruppenleiter in einem Verein sind. Selbst Michael, der bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbelastet schien, meinte plötzlich, dass er Kassenprüfer beim Kleintierzuchtverein sei.

Die Angst der Vereinslosen, aber Vereinswilligen, vor der Karriere als Vereinsfunktionär, ist also wirklich begründet!

Der letzte Beweis: Gestern fragte mich ein früherer Schulfreund, ob ich denn nicht seinem Verein beitreten wolle. Ich fühlte mich geschmeichelt … bis er hinzufügte, er benötige nämlich unbedingt einen Schriftführer und Pressewart. Was mich aber dann doch überraschte, war sein ultimatives Argument, „als Vereinsfunktionär wirst du früher oder später auch geehrt. Urkunden, Medaillen und so.“

DUMM GELAUFEN, lieber Schulfreund. Denn meine Trotzreaktion kam prompt: Ich hatte vor Jahren beschlossen, die größtmögliche Herausforderung eines Erwachsenen in der bundesdeutschen Gesellschaft anzunehmen – und zu versuchen, mein Leben ohne weitere Ehrung, Auszeichnung oder Pokal abzuschließen.

Ich finde, vier Urkunden aus meiner Jugendzeit sind genug, mehr will ich vermeiden. Auch, wenn ich weiß, dass das Unterfangen schier unmöglich ist – ich gebe nicht auf.

Noch nicht.

Wie wurdet Ihr Vereinsfunktionär? Oder genau andersherum: Wie habt Ihr es vermieden? Und wie viele Urkunden, Pokale und Medaillen habt Ihr zuhause? Schreibt uns doch einfach bitte via Kommentar-Funktion oder einfach per eMail an blog@vereinskult.de.

 

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