Über die besondere Faszination „Crossgolfen“

1971 machte der Astronaut Alan Shepard den ersten Abschlag auf dem Mond – und ist damit sicher bis heute der Crossgolfer auf dem ungewöhnlichsten Untergrund. Was ihn mit allen Crossgolfern verbindet: Er lässt sich von äußeren Umständen nicht abhalten, seiner Lust an einem schönen Golfschlag zu frönen.

Viel Spaß an ihrem Sport haben knapp 385.000 Kilometer vom Mond entfernt auch die rund 25 Mitglieder von Crossgolf Aachen e.V. .Sascha Bien hat den Verein 2011 gegründet, im Interview erzählt er vom einzigartigen (Frei-)Geist des Crossgolfs, der immer mehr Freunde findet.

Lieber Sascha, wie kamst du eigentlich zu Crossgolf?

Ich wurde vor einigen Jahren von einem Animateur auf einem Campingplatz in Südfrankreich mit dem Crossgolf-Virus infiziert. Mit diesem Animateur (Nicolas Verschuere), der zufälligerweise auch Präsident des Clubs „Urban Green Lille“ ist, bin ich bis heute sehr gut befreundet.

Er war sowohl für meinen Einstieg in die Welt des Crossgolfens verantwortlich – und stellt eine wichtige Verbindung zur Teilnahme an der französischen Meisterschaft und diverser anderer Netzwerke in Europa dar, wie sich später herausstellte. Eigentlich fing das Ganze aber ziemlich harmlos mit ein paar Golfschlägen am Strand an …

Wie ist Crossgolf in Deutschland organisiert?Crossgolf4

In Deutschland gibt es keine offizielle Gesamtorganisation. Zwar gab es diverse Ansätze und Überlegungen, eine Art Liga-Betrieb zu etablieren – was meines Erachtens jedoch an der Idee des Sports und dem damit verbundenen Freigeist gescheitert ist. Es ist schwierig, die vielen verschiedenen Persönlichkeiten der Szene miteinander zu verbinden und dabei noch produktive Ergebnisse zu erzielen.

Also jeder Verein nur für sich?

Im Gegenteil. Die Historie hat die Mitglieder der großen Clubs in Deutschland zusammengeschweißt. Wir kennen uns alle ganz gut, respektieren uns, sind befreundet und besuchen uns regelmäßig auf den regionalen Turnieren.

Es gibt im Osten eine Mitteldeutsche Meisterschaft, die ein paar Turniere zu einer Serie zusammenfasst, aber dies schließt nicht die gesamte Szene ein. Der Süden Deutschlands ist deutlich aktiver, was Turniere betrifft und bietet – gefühlt – fast monatlich Turniere an.

Was ist das Faszinierende an Crossgolf?

Es ist die Schnelligkeit, mit der man die ersten Erfolge erzielt, und der hohe Suchtfaktor. Gepaart mit den günstigen Kosten für das Equipment und die freundschaftlichen Verhältnisse in den Clubs und darüber hinaus, ist Crossgolf ein Sport, den sich jeder leisten kann – und bei dem jeder ein „Zuhause“ findet.

Was ist der große Unterschied zu normalem Golf?

Es gibt für mich ein paar entscheidende Unterschiede zum klassischen Platzgolf:

  • Wir spielen mit speziellen Bällen, die von der Fa. AlmostGOLF als „neighbourhood safe“ verkauft werden und Verletzungsgefahren und Sachbeschädigungen praktisch ausschließen. „Safety first“ ist die oberste Regel. Die wird bei allen Crossgolfer mit oberster Priorität behandelt!
  • Wir spielen nicht nur auf Rasen, sondern auf vielen unterschiedlichen Untergründen (Sand, Beton, Asphalt, Kies, Gras …)
  • Es gibt keine Kleiderordnung, keine Etikette.
  • Unsere Regeln sind stark minimiert und passen auf eine DIN A4 Seite, damit der Spaß nicht zu kurz kommt.
  • Es gibt keine Zugangsvoraussetzung (wie z.B. eine Platzreife) und Abgrenzen von „andersartigen“ Golfern.
  • Trotz der Tatsache, dass jeder für sich spielt, fühlt man sich immer als Gruppe.
  • Für den größten Teil der Spieler steht der Spaß am Spiel und an der Gemeinschaft im Vordergrund … mehr als die spielerische Leistung.

Crossgolf3Stichwort Einsteigerausrüstung: Was empfiehlst du, was kostet es?

Bei der Ausrüstung handhabt es jeder, wie er möchte. Es gibt die Möglichkeit bei Auktionshäusern sehr günstige Schläger (1 bis 20 EUR/Stück) oder sogar komplette Golfsets mit Bag, Trolley und diversen Schlägern zu erwerben. Oder man kauft beim lokalen Golf-Discounter ein. Auch da gibt es oftmals für 20 EUR schon neue Schläger.

Einige beerben auch Freunde oder Verwandte, die oftmals noch den einen oder anderen Schläger zuhause rumliegen haben. Im Grunde kann man mit fast jedem Golfschläger starten. Ich empfehle für den Anfang ein 7er Eisen und ein Sandwedge. In den meisten Clubs werden die Schläger auch anfangs ausgeliehen, bis man sich sicher ist, dass Crossgolf der neue Lieblingssport ist.

Die Bälle ordern wir alle online auf unterschiedlichen Plattformen. Der Preis für die Bälle ist abhängig von der bestellten Menge; wenn wir große Mengen im Club bestellen (Sammelbestellung), dann liegen wir bei 80 bis 90 Cent pro Ball.

Fehler beim Einkauf kann man eigentlich nicht machen. Am besten holt man sich vor dem Kauf ein paar Tipps bei den örtlichen Vereinen oder im Internet z.B. bei Crossgolffreunde.de.

Warum sollte man Crossgolf am besten im Verein spielen?

Ein wichtiger bzw. für mich der wichtigste Punkt der Vereinsfrage ist die Gemeinschaft. In den meisten Crossgolf-Vereinen findet man sehr oft soziale Kontakte, Freundschaften werden geschlossen und wir treffen uns in regelmäßigen Abständen, so dass eigentlich immer jemand motiviert ist, ein paar Bälle zu schlagen.

Dazu kommt in unserem speziellen Fall noch, dass wir mit unserem Club an vielen nationalen und internationalen Turnieren teilnehmen, bei denen man sich oftmals als Team anmelden muss. Auch das gemeinsame Auftreten als Club bei Turnieren, gemeinsame Teamwear und Aktionen wie anlässlich des Aachener Tags der Vereine schweißen zusammen.

Crossgolf2

Crossgolf boomt. Es gibt ja mittlerweile sogar Europameisterschaften?

Ja, genau. Die Geschichte dazu ist auch typisch für den Geist von Grossgolf. Jedenfalls wurde der Grundstein hierfür vor 3 Jahren von David Lardier (Paris Street Golf) und mir gelegt. Eigentlich sollte das Ganze nur ein freundschaftliches „Kräftemessen“ zwischen Deutschland und Frankreich werden.

Daraus hat sich nun in den letzten Jahren eine Europameisterschaft entwickelt, die derzeit wie eine Rakete losgeht. Mit zwei Ländern (2013 in Paris) gestartet, hatten wir im zweiten Jahr bereits acht Teilnehmerländer (2014 in Köln), zwölf Länder im dritten Jahr (2015 in London) und für nächstes Jahr sind bereits 16 Länder im Gespräch (2016 in Amsterdam): Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Irland, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Tschechien und Ungarn.

Und die Planungen für die erste Weltmeisterschaft in Paris 2018 laufen auch schon. Das bringt die Vereine aus Deutschland und den anderen Nationen stark zusammen.

Verbindend waren sicher auch die Europameisterschaften in Deutschland, die 2014 in Köln stattgefunden haben?

Das kann man wohl sagen. Verbindend und ziemlich verrückt. Um diese Meisterschaften, ranken sich so viele Geschichten, die mehrere Abende füllen würden – und auch immer wieder bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten mit viel Lachen und nicht selten kopfschüttelnd erzählt werden. Wenn ich allein an die Vorbereitung denke, die wir mit den unterschiedlichsten Leuten aus ganz Deutschland via Skype und Facebook organisiert haben. Sich dann erstmals persönlich bei den Meisterschaften zu treffen – das gab ein riesiges Hallo! Und es entstanden neue Freundschaften.

Unglaublich waren auch die Folgen eines Lapsus, der uns unterlaufen war. Wir hatten nämlich vergessen, eine Altersgrenze zu bestimmen – und wollten zuerst ein zwölfjähriges Mädchen ausschließen. Wir haben es dann doch nicht getan, weshalb die Europameisterin 2014 Jette Schulze heißt … und damals zwölf Jahre alt war.

Und dass so etwas möglich ist, genau das macht Crossgolf aus!

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