Pressearbeit im Verein 1: 80 Prozent besser mit wenigen Tricks

„Unsere Texte werden gekürzt, unsere Fotos nicht veröffentlicht. Wie verbessere ich die Pressearbeit in meinem Verein?“, fragte mich kürzlich ein Freund. Meine lapidare erste Antwort: „Versuche, dass der Redakteur eurer Lokalzeitung Mitglied in eurem Verein wird. Und dann wählt ihr ihn zum Pressebeauftragten oder Schriftführer!“

Da es aber wohl nicht genügend Journalisten für alle Vereine gibt, ich im Gegenzug als gelernter Tageszeitungsredakteur aber bereits in etlichen Vereinen Schriftführer war, gibt es jetzt den ersten Teil einer kleinen Serie zu PRESSEARBEIT IM VEREIN.

Zuallererst ein Beispiel gebündelter Unsitten, die man in jedem Fall vermeiden sollte:

 … und als Preis winkt ein halbes Schwein

Endlich war es soweit. Zum 50jährigen Jubiläum des Vereins XY, zu dem in der letzten Woche zahlreiche Gäste aus Nah und Fern begrüßt werden konnten, wurde von der erschienenen Prominenz insbesondere das Engagement und der Einsatz des Vereins XY für die städtische Gemeinschaft gewürdigt.

Nach dem feierlichen Gottesdienst durch Herrn Pfarrer und ein paar kurzen Begrüßungsworten, in welchen der Bundestagsabgeordnete und die Bürgermeisterin den Vereinsmitgliedern dankten und weiterhin viel Erfolg wünschten, freute sich der Vereinsvorsitzende über die rege Anteilnahme und die Unterstützung. Schon im nächsten Monat wolle man eine neue Tradition ins Leben rufen und einen Wettbewerb durchführen, bei dem als Preis ein halbes Schwein winkt.

Um zahlreiches Erscheinen bei der Preisverleihung wird gebeten. Diese findet im Rahmen einer kleinen Feierstunde statt, für ausreichend Getränke und vielfache Leckereien ist gesorgt. Für die gute Stimmung sorgt in gewohnter Manier und viel Witz Alleinunterhalter Josef auf seiner Hammond-Orgel. Die Bevölkerung ist willkommen.

Mal abgesehen davon, dass ein halbes Schwein nicht winken kann, und der kurze Satz „Endlich war es soweit“ ähnlich abgenudelt ist wie „Der Countdown läuft“ (nebenbei: Bitte lasst in euren Beiträgen nicht mehr „die Seele baumeln“. Sie hat bereits in so vielen Artikel gebaumelt, dass sie mittlerweile gänzlich tot ist!), steht in dieser Pressemitteilung … genau: fast gar nichts.

Zumindest nichts, was den Zeitungsleser interessiert, die nicht Vereinsmitglieder sind. Das Dumme daran: Genau das ist neben einem guten Foto das wichtigste Kriterium für Zeitungsredaktionen um eine Pressemitteilung zu veröffentlichen.

Vor dem Schreiben einer Pressemitteilung sollte man deshalb für sich folgende Fragen beantworten:

  • Wer soll meinen Beitrag lesen? Was ist für meine Leser wirklich interessant?
  • Was ist die zentrale Aussage der Pressemitteilung? Steht sie auch vorne?

Es ist noch kein Redakteur vom Himmel gefallen und nicht jeder hat das Zeug zu Günther Grass, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky. Aber das Texten von Pressemitteilungen ist vor allem Handwerk, was heißt: Man kann JEDEN TEXT UM MINDESTENS 80 PROZENT lesbarer, besser und damit für die Zeitungsredaktion attraktiver mache, wenn man folgende Tipps beherzigt:

  1. Auf korrekte Rechtschreibung und Grammatik achten. WORD hat eine automatische Korrektur – nutzt sie!
  2. Sind im Text alle Ws enthalten: Wer, was, (wann), wo, wen und warum? Es ist für Redaktionen unglaublich nervig, hier nachfragen zu müssen.
  3. Sind die Namensangaben komplett? Siehe Punkt 2. Übrigens: In journalistischen Texten gibt es weder „Frau“ noch „Herr“; beim ersten Mal werden Titel, Vor- und Nachname genannt, ab dem zweiten Mal nur noch der Nachname.
  4. Ist der Einstieg interessant? Stellt die Kernaussage ganz vorne hin!
  5. Sind im Text genügend Fakten? Nutzt es aus, dass die meisten Journalisten Zahlen-Fetischisten sind. Ein Beispiel: „XY wurde Meister“ klingt seelenloser als „XY wurde mit 1234 Ringen Meister“.
  6. Verwendet aktiv statt passiv – „er begrüßt“ statt „wurde begrüßt“
  7. Punkt statt Komma: Anders als im Deutschunterricht, wo Lehrer Schachtelsätze über eine Seite durchaus wohlwollend benoten, mögen der Mensch und die Zeitung kurze Sätze. Und zu denen gehört ein früher Punkt. Punkt.
  8. Verben: Sie sind die Könige eines Satzes – benutzt sie, immer und immer wieder! Sobald ihr ein Wort mit der Endung „-keit“ benutzt, gibt es auch ein gutes Verb dafür.
  9. Adjektive und Füllwörter: Raus damit, wo es nur möglich ist!
  10. Fremdwörter: Bitte sehr sparsam damit umgehen!
  11. Ein Absatz nach drei Zeilen. Das hilft beim Lesen (gerade online!) ungemein!

Ihr kennt noch weitere Tricks für gute Pressemeldungen oder auch Unsitten? Dann verratet sie uns doch bitte via Kommentar-Funktion oder einfach per eMail an blog@vereinskult.de.

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