Der 1. Vorsitzende, Teil 1: Chef im Verein oder auch nicht?

Steht er in der Mitte, ganz vorne, oder in der zweiten Reihe, halb versteckt? Schon bei der Aufstellung zum Gruppenfoto nach den Neuwahlen einer Vereinsvorstandschaft lässt sich gut erkennen, welcher Typ der 1. Vorsitzende ist. Ist er einer, der gerne im Zentrum steht, oder lenkt er den Verein lieber aus dem Hintergrund – neben diesen grundsätzlichen „Schubladen“ einer Kategorisierung finden sich noch weitere.

Bevor wir uns allerdings an diese Typologie machen, noch drei Beobachtungen aus jahrzehntelanger Vereinsarbeit

  • Der Erfolg eines Vereins hängt nicht automatisch mit einem bestimmten Typus eines Vereinschefs zusammen. Sicher, ein Mitglied mit Plan und Durchsetzungsvermögen ist nötig, aber dies muss nicht der 1. Vorsitzende sein.
  • Ohne Zweifel: Es gibt alle Typen sowohl bei weiblichen wie männlichen Ersten Vereinsvorsitzenden.
  • Eine Schublade ist meist zu wenig: Nicht selten treffen wir bei Vereinsvorsitzenden auf Mischformen unterschiedlicher Charakteristika.

Der Diktator: Alles hört auf mich!

Nein, er steht nicht unbedingt im Mittelpunkt. Das hat er auch nicht nötig. Denn er UND alle anderen in der Vorstandschaft wissen. Im Verein hat er ohne Wenn und Aber das Sagen. Mit dem Kassier hat er sich in der Regel arrangiert, der 2. Vorsitzende wurde von ihm eingesetzt – und sein Intim-Feind ist häufig der Schriftführer, der „es anders sieht“. Tut er aber nicht … meinen der 1. Vorsitzende und seine Anhänger, die er geschickt in der Vorstandschaft postiert hat. Versammlungen mit diesem Chef-Typ sind üblicherweise sehr kurz – dank der Machtkonzentration finden Diskussionen einfach nicht statt. Die Gefahren: Solche Vereine neigen gerne

  1. zu Revolutionen, wenn ein jüngeres Vereinsmitglied sich traut zu widersprechen und diesem plötzlich eine unzufriedene, schweigende Mehrheit folgt.
  2. zum Machtvakuum, sobald der 1. Vereinsvorsitzende sein Amt aufgibt. Denn: Um die Nachfolge hat er sich meist nicht gekümmert.

Der Freund: Erzähl einfach mal in Ruhe!

Er ist der klassische, ewig jugendliche „Sportlehrer“, dem es wichtig ist, von allen Vereinsmitgliedern als Freund anerkannt zu werden. Mit einem einfachen „Sag Du zu mir“ wanzt er sich an die Jüngeren an, jederzeit und sehr gerne steht er an der Bar des Vereinsheims für ein Gespräch zur Verfügung. Der Trumpf dieses 1. Vorsitzenden ist das Wissen über seine Mitglieder, das er im Laufe der Zeit ansammelt. Es sind zudem die erwiesenen Gefälligkeiten, mit denen er nicht geizt. Wenig verwunderlich, dass der FREUND nach einiger Zeit fest im Sattel sitzt – zu viel haben ihm die meisten Mitglieder persönlich zu verdanken. Und sei es auch nur das Schweigen über den gemeinsamen Rausch beim letzten Sommerfest.

Die Marionette: Soll ich, darf ich?

Jeder kennt 1. Vorsitzende, die nur Strohmänner eines anderen sind. Entgegen der ersten Vermutung findet man aber den eigentlichen Chef des Vereins nicht auf dem Posten des 2. Vorsitzenden und nicht einmal automatisch unter den Beisitzern . Vielmehr ist er entweder

  • der Mäzen bzw. Sponsor des Vereins, der den 1. Vorsitzenden regelmäßig zum Rapport bestellt, oder
  • der Ehrenvorsitzende, der nach dem Motto „früher war alles viel besser“ aus dem Hintergrund und meist perfide die Geschicke des Vereins dirigiert, oder
  • je nach Geschlecht des 1. Vorsitzenden die Ehefrau bzw. der Ehemann mit höchsten Einflussmöglichkeiten.

So oder so, die 1. Vorsitzenden-Marionette wird freilich fremde Herrschaft leugnen und immer wieder auch ungefragt die eigene Bedeutung unterstreichen. Und alle Vereinsmitglieder werden, milde nickend, dazu lächeln.

Im zweiten Teil unserer Typologie des 1. Vereinsvorsitzenden berichten wir von Stars, Teamplayern, Kümmerern und Faulen. Wenn ihr noch weitere „Schubladen“ kennt, schreibt uns bitte entweder über die Kommentar-Funktion oder einfach per eMail an blog@vereinskult.de.

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